Programm 2017

500 Jahre Reformation
Die Missa 1733 h-Moll BWV 232/I von Johann Sebastian Bach – Ein Beitrag zum Reformationsjubiläum 2017

Die h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach ist ein Werk, das Katholiken und Protestanten verbindet, seiner Zeit weit voraus ist und über Generationen hinweg Menschen auf dem gesamten Erdball berührt. Im Jahr des Reformationsjubiläums wollen wir damit einen ökumenischen Impuls setzen. Die darin enthaltende Themen von Leid (Kyrie) und Lob (Gloria) vereinen nicht nur einzelne Menschen aus Deutschland, sondern auch Nationen und Völker und sind somit sowohl von geschichtlicher Bedeutung, wie auch von aktueller religiöser und gesellschaftlicher Relevanz. „Was da nur getauft ist und an Christus glaubt, gleichviel, er sei aus dem Morgenlande oder Abendlande, so hat keiner einen Vorteil vor dem anderen“ (Martin Luther). Das Ensemble Consart bringt die h-Moll Messe von Johann Sebastian Bach in der Fassung als Missa brevis von 1733 zu Gehör.

Als Leipziger Thomaskantor durfte Bach in der Zeit vom 15. Februar bis 2. Juli 1733 wegen der Landestrauer aufgrund des Todes des Kurfürsten Friedrich August I. von Sachsen keine Musik aufführen. In dieser Zeit fertigte Bach die Partitur und Stimmen der Missa mit den Teilen Kyrie und Gloria an. Die Aufführungsstimmen widmete er dem Nachfolger, Kurfürst Friedrich August II., der als König von Polen August III. genannt wurde – in der Hoffnung auf ein angemessenes Amt bei Hofe, was sich nicht erfüllte.

Interessant ist zu verfolgen, wie ein Protestant den im Prinzip katholischen Messe-Text für seine Komposition modifiziert und ihm schließlich einen eindeutig protestantischen musikalischen Charakter gibt. Wie ein protestantisches Signum beginnt Bach sein Werk in den ersten vier Takte mit dem Zitat aus Luthers »Deutsche Messe« von 1525 als Grundlage für sein Kyrie, die Spitzentöne im Sopran d, e, fis, fis, g, fis, fis des lutherischen »Kyrie« greift Bach wörtlich wieder auf. Auch belässt er die nach der lutherischen Liturgie übliche Abweichung »altissime« im Text des »Domine Fili unigenite, Jesu Christe, altissime«. Man könnte die h-Moll-Messe als die erste große verwirklichte Utopie eines ökumenischen Oratoriums bezeichnen, da Bach katholische Tradition mit lutherischer Erneuerung nahtlos verbindet.

(zitiert nach Prof. Hartmut Haenchen, „Fragen der Aufführungspraxis“ 2008 sowie Wolff, Christoph bei Bärenreiter 2014 )

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