Thema 2014

In Anlehnung an die Lutherdekade „Reformation & Politik“ bestreitet das Ensemble Consart im Jahr 2014 Konzerte unter dem Titel „Krieg und Frieden“. Bei der Zusammenstellung von Werken aus der Renaissance bis hin zur Gegenwart wird deutlich, dass die Auseinandersetzung mit Obrigkeit, Macht, Glaube und Menschenrechten stets aktuell ist. Die gewählten Stücke weisen alle entweder textlich oder durch die Biografie der Komponisten eine Verbindung von Religion und Politik auf. Repertoireübersicht 2014 und Konzertorte 2014

Die Texte der Kantate Johann Sebastian Bachs („Nimm von uns, Herr, du treuer Gott“ BWV 101) und der Motette von Heinrich Schütz („Da pacem, Domine“ SWV 465) richten die Bitte um Frieden an Gott, auch unter dem Eindruck von Kriegserfahrungen. Arnold Schönberg verwendet in seinem letzten im tonalen Stil komponierten Werk ein Weihnachtsgedicht als Grundlage, das die Hoffnung auf Frieden nach Christi Geburt ausdrückt. Aus einer jüdischen Familie stammend, emigrierte Schönberg nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in die USA und war somit persönlich betroffen von der politischen Verfolgung. Felix Mendelssohn Bartholdy verbindet in seinem Leben und Werk ebenfalls in besonderer Weise Glaube und Politik. Das Werk, das für dieses Konzert ausgesucht wurden, lässt Rückschlüss auf sein Weltbild in dieser Hinsicht zu. In diesem Programm stammt die älteste Komposition von Guillaume Dufay, die als Beispiel für eine musikalische Modeerscheinung in der Renaissancemusik steht. Sie verwendet die weltliche Melodie des damals sehr beliebten Soldatenliedes „L’homme armé“ als motivische Grundlage ihrer geistlichen Messkompositionen. Die „Feldmarschall Graf Schlieffen-Fanfare“ (HM III A, 8 VDHM) von Leopold Löser symbolisiert die lange Tradition der kriegsbezogenen Musik, in diesem Fall positiv konnotiert. Durch die Gegenüberstellung mit den anderen Werken erfährt sie allerdings eine kritische Beleuchtung.

Das Musiktheater-Projekt des Jahres 2014 nimmt im Rahmen des Consart-Jahresthemas „Krieg und Frieden“ Bezug auf das Gedenken anlässlich des Ausbruchs der beiden Weltkriege vor 100 bzw. 75 Jahren. Die Jugendoper „Brundibar“ ist selbst Teil der Geschichte des zweiten Weltkrieges geworden, denn im Sommer 1944 (also genau 70 Jahre vor unser geplanten Wiederaufführung) wurden im KZ Theresienstadt u.a. die Aufführungen der inhaftierten jüdischen Kinder zu Propagandazwecken von den Nazis gefilmt, um die Weltöffentlichkeit über die tatsächliche Funktion und die Lebensbedingungen des KZs zu täuschen.
Dabei erzählt die Handlung der Oper eine bewegende Geschichte von der Kraft freundschaftlichen Zusammenhalts in Zeiten der Not und gegenseitiger Hilfe bei der Überwindung von Widerständen. Durch Bezüge zu den historischen Umständen in einer Ausstellung bzw. in der Inszenierung der Oper wird „Brundibar“ für Darsteller und Zuschauer gleichermaßen zum Gleichnis für die Tragödien und die Überwindung des Krieges.