Thema 2013

Dieses Jahr beschäftigt sich das Ensemble Consart unter dem Thema „fremderNächster“ mit christlicher und jüdischer Identität. Damit vertraute gemeinsame Wurzeln hinter fremden Riten und Vorurteilen nicht unsichtbar werden, haben wir ein positiv bestärkendes Programm anknüpfend an das Themenjahr der Lutherdekade „Reformation und Toleranz“ zusammengestellt.

Mit Louis Lewandowski, der den „Psalm 84 für Chor, Solisten und Orgel“ komponierte, stellen wir gleich eine Persönlichkeit voran, die durch die Neubelebung und Öffnung der jüdischen Liturgie bekannt wurde. Als Kantor an Synagogen in Berlin verband er orthodoxe Praktiken mit liberalen Elementen der christlich-europäischen Musiktradition. Des Weiteren erklingt die Motette „Warum toben die Heiden“ op. 78 von Felix Mendelssohn Bartholdy. Aus einer jüdischen Familie stammend, wurde er im Alter von fünf Jahren getauft und folgte Zeit seines Lebens einem reformiert-christlichen Bekenntnis. Dessen ungeachtet wurde er noch häufig von der Außenwelt als Jude wahrgenommen. Spätestens seit Richard Wagners 1850 entstandener Schrift „Das Judentum in der Musik“ verschärfte sich diese Diffamierung, die ihren Höhepunkt im Dritten Reich mit der Ausgrenzung von Felix Mendelssohn Bartholdys Kompositionen aus dem öffentlichen Konzertleben fand. Seine Vokalmusik entstand trotz der biblischen Textgrundlage nicht für kirchlichen Gebrauch, sondern für Gewandhauskonzerte und Musikfeste, könnte also als Vokalmusik geistlichen Charakters eingeordnet werden. Einen Lokalbezug stellen wir mit Johann Steuerleins frühbarocker Motette „Intereunt justi“ her, die auf den Tod des Grafen Boppo, den Erbauer des Schlosses Herrenbreitungen, komponiert wurde.

Im Gegensatz zu Mendelssohn Bartholdy schuf Johann Sebastian Bach seine Kirchenkantaten, die allein quantitativ schon eine exponierte Stellung in seinem Œuvre einnehmen, explizit zur Aufführung in Gottesdiensten. Die Kantate BWV 77 „Du sollt Gott, deinen Herrn, lieben“, deren Libretto von Johann Oswald Knauer stammt, wird mit einem Bibeltext eröffnet und schließt mit einem Choral. Als Denkanstoß über das Konzertende hinaus führt Charles Ives‘ reines Instrumentalwerk „The Unanswered Question“.

Unser diesjähriges Kindersingspiel „Shalom, Herr von Stein!“ spielt in Breitungen und Barchfeld (beide im Werratal) zur Zeit der Reformation. Der Erbauer und Schlossherr von Herrenbreitungen, Boppo XII. von Henneberg, wird in einen Rechtstreit um den Erlass seines Bruders Fürst Georg Ernst von Henneberg verwickelt, der die Ausweisung aller Juden aus den Orten des Werratals zum Inhalt hat. Er entscheidet sich im Verlauf der Geschichte, sich für die Juden einzusetzen und wird so zu einem Beispiel für das Bemühen um Toleranz im Zusammenleben mit den jüdischen Nachbarn.

Programm 2013 und die Konzerttermine hier .